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Familie und Karriere passen unter einen Hut!

Louisa Madu zeigt in ihrer Masterthesis an der Steinbeis-Hochschule, wie female Empowerment gelingen kann

In einer Gesellschaft der Gleichberechtigung sollte jeder Person offen stehen, welchen Weg sie gehen möchte. Frauen sollten sich aussuchen können, ob sie nach einer Geburt schnell wieder in den Beruf einsteigen möchten oder nicht. Genauso sollten Männer sich urteilsfrei dazu entscheiden dürfen die Familienarbeit zu übernehmen. In einer Gesellschaft abseits gesellschaftlich auferlegter Konventionen sollten Männer ohne Bedenken Kindergärtner und Frauen Ingenieurinnen werden können. Dafür plädiert Louisa Madu, die sich im Rahmen ihres studienbegleitenden Projekts im Masterstudium an der Steinbeis-Hochschule mit dem Thema „Female Empowerment“ beschäftigt. Sie analysiert Wege, wie Frauen mit Führungsambitionen auf ihrem Weg nach oben unterstützt werden können.

Studienrichtungen und Berufszweige, die noch vor ein paar Jahren als „typisch männlich“ galten, werden inzwischen vermehrt von Frauen angestrebt und auch umgekehrt. In den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) liegt der Anteil an weiblichen Studierenden mittlerweile bei fast 30 Prozent. Diese Entwicklung kann als erster Schritt in die richtige Richtung angesehen werden. In Politik und Wirtschaft gibt es inzwischen zahlreiche Beispiele von erfolgreichen Frauen an der Spitze, die beruflich erreicht haben, was sie sich vorgenommen hatten. Das Thema „Familie“ muss bei karriereambitionierten Frauen allerdings häufig hinten anstehen, weil die Rahmenbedingungen in Deutschland es nicht anders zulassen: Allein in Berlin fehlt es beispielsweise laut Tagesspiegel an 2.500 Kitaplätzen.

Gesellschaft und Arbeitsmodelle müssen sich wandeln

„Auch heute noch ist die Vorstellung weit verbreitet, dass eine Frau sich glücklich schätzen kann, wenn sie sich nach der Geburt ihres Kindes ausschließlich der Kinderbetreuung und dem Haushalt widmen kann. Eine arbeitende Mutter wird hingegen skeptisch beäugt, da sie ihre eigenen Interessen über die des Kindes stellt“, kritisiert Louisa Madu, die selbst Mutter einer kleinen Tochter ist. Sie gibt zu bedenken, dass bei aller Selbstverständlichkeit der Frau als vollwertiger Arbeitskraft doch das allgemeine Verständnis der Notwendigkeit eines modifizierten Familienmodells fehle. Damit die Gesellschaft kinder- und familienfreundlicher wird, muss sich ein Wandel in der Wirtschaft vollziehen, der es auch Vätern ermöglicht ihren beruflichen Einsatz ohne Bedenken zu begrenzen. Männer, die sich mehr in die Familienarbeit einbringen möchten, dürfen im Beruf nicht diskriminiert werden, sondern sollten vielmehr in der Umsetzung unterstützt werden. Flexible Arbeitszeiten können aus Sicht Louisa Madus genauso wie ein reduziertes Arbeitspensum bei gleicher Stellung ein Ansatz zur Verbesserung der Situation sein. Außerdem sei ein flexibles Modell, bei dem Familie und Karriere gleichermaßen wertgeschätzt werden, von Nöten. „Ergänzend dazu müssen Frauen aber auch selbst an sich arbeiten. Sie dürfen ruhig noch ein bisschen selbstbewusster auftreten und lernen sich im Beruf durchzusetzen und die eigenen Bedürfnisse deutlich zu machen. Sie sollten sich untereinander viel mehr unterstützen, denn wer wenn nicht Frauen können am besten die Lage der anderen nachvollziehen?“, fordert Louisa Madu das eigene Geschlecht auf. Um sich gegenseitig aufzubauen sollten Erfahrungen ausgetauscht werden. Frauen sollten sich untereinander Tipps geben, Netzwerke gründen und Mentoren sollten Empfehlungen aussprechen. Schlussendlich geht es vor allem darum, sich Mut zu machen und an sich zu glauben. Und genau hier setzt Louisa Madu mit ihrem studienbegleitenden Projekt an.

Als Studentin im Masterstudiengang „General Management“ an der Graduate School der Fakultät Leadership & Management der Steinbeis-Hochschule wird sie bei der Umsetzung ihres studienbegleitenden Projekts wissenschaftlich vom Team der School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) betreut. In ihrer Masterthesis befasst sie sich mit dem Thema „Female Empowerment“. Dabei beschäftigt sie sich mit der ungleichen Behandlung von Frauen und Männern in Bezug auf Arbeit und Familienverantwortlichkeiten. Ansatzpunkte für mögliche Verbesserungen sind aus Louisa Madus Sicht nicht nur auf politischer Ebene genügend gegeben.

Plattform zum Erfahrungsaustausch

Das Anliegen der Masterstudentin ist es eine Plattform zu schaffen, auf der sich vorrangig Frauen mit Führungsambitionen zu den verschiedensten Themen austauschen können. Sie untersucht, welche Kompetenzen, (Weiter-)Qualifizierungen, Netzwerke oder ähnliches für Frauen wichtig sind, die eine Führungsposition anstreben oder bereits innehaben. Zudem stehen Strategien im Fokus ihrer Untersuchung, die Frauen gegenwärtig anwenden, um ihre Karriereziele zu erreichen. Die Analysen fokussieren sich unter anderem auf intrinsische und extrinsische Motivationsfaktoren sowie die Anforderungen, um eine Führungsposition erfolgreich zu besetzen. Darüber hinaus identifiziert und analysiert Louisa Madu das kommunikative Verhalten von Frauen – beispielsweise über Kommunikationsplattformen, die insbesondere von Frauen mit Führungsambitionen genutzt werden.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen Louisa Madu, dass Frauen nicht nur durch externe Strukturen an der Erreichung ihrer Ziele gehindert werden, sondern dass die Sozialisierung in der frühen Kindheit entscheidend für das Verhalten im Berufsleben ist. Ihre Erkenntnisse und Verbesserungsvorschläge, wie Politik, Unternehmen, Männer und Frauen selbst ihre Situation zum Besseren verändern können, sind die verstärkte Bildungsarbeit in Familien und Schulen hinsichtlich möglicher Konsequenzen einer stereotypischen Sozialisation, die Förderung junger weiblicher Talente in von Männern dominierten Industrien und die Erhöhung von Löhnen und Investitionen im sozialen Bereich. Darüber hinaus ist es wichtig, die Infrastruktur angemessener Pflegeeinrichtungen für Kinder zu verbessern und flexible Arbeitszeitmodelle anzubieten. Diese flexiblen Modelle zur Gestaltung der Karrierepfade von Frauen müssen präsenter werden. Sie ermöglichen es, die eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln sowie Karriereentwicklung und Familie unter einen Hut zu bringen und so die Verantwortung in der Familie zu teilen. Dies kann vor allem für Frauen interessant sein, die hohe berufliche Ambitionen haben und dennoch nicht auf die Familiengründung verzichten möchten.

Qualifikation statt Quote

Frauen sind ebenso qualifiziert einen Beruf in oberen Managementpositionen auszuführen wie ihre männlichen Kollegen und der Wunsch nach Familie sollte ihnen diese Tür nicht verschließen, fordert Louisa Madu vehement. „Leider hat es in der Vergangenheit ohne politischen Druck nicht funktioniert die Führungsebenen deutscher Unternehmen weiblicher zu gestalten. Nach der Einführung der Geschlechterquote ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten deutscher börsennotierter Unternehmen von 27,4 % in 2016 auf 30,1 % in 2017 gestiegen ist. Ob man dies nun als Erfolg werten kann ist fraglich, da dieser Anstieg ohne drohende Sanktionen nicht erfolgt wäre und es somit kein Anstieg aus Qualifikationsgründen sondern vielmehr einen forcierten Anstieg gab, um die Quote zu erfüllen“, kritisiert sie deutlich. Eine durchaus positive Entwicklung steht dem jedoch entgegen – einige Unternehmen übererfüllen die gesetzlichen Vorgaben deutlich, was darauf hindeutet, dass sie das Potenzial weiblicher Führungskräfte erkannt haben und sie auf Grundlage ihrer Fähigkeiten befördern. Und Louisa Madu ist überzeugt: Mehr Frauen im oberen Management werden zur Folge haben, dass auch die Chancen für den Nachzug anderer Frauen steigen.

Kontakt

Nick Lange
Steinbeis School of International Business and Entrepreneurship (Herrenberg)
www.steinbeis-sibe.de

Louisa Madu | Masterstudentin
Steinbeis-Hochschule (Berlin)