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Start-up-Studie: Erfolgreich durch die Frühphasen einer Gründung navigieren

Steinbeis-Team veröffentlicht Checkliste für Gründungsprozesse

Zu den Absolventen der School of International Business and Entrepreneurship (SIBE), der Business School der Graduate School der Fakultät Leadership and Management der Steinbeis-Hochschule, gehören über 400 erfolgreiche Gründerinnen und Gründer. Doch nicht jede Gründung führt zum Erfolg: Während 90 % der Start-ups in den ersten Existenzjahren scheitern, ist die Dunkelziffer an aufgegebenen Ideen, frühzeitig aufgelösten Teams und gescheiterten Geschäftsmodellen vor der offiziellen Gründung deutlich höher. Mit einer Start-up-Studie hat die SIBE die tückischen Frühphasen unter die Lupe genommen, um den Bedarf an Support zu ermitteln und angehenden Gründern eine Checkliste für die wichtigsten Meilensteine zu liefern.

Zusammenfassung aller wesentlichen Ergebnisse der Start-up-Studie.

 

Während sich die ersten Jahre eines jungen Start-ups beziehungsweise Spin-offs oftmals als sehr anspruchsvoll gestalten, sind die Phasen vor der eigentlichen Gründung, als Pre-Seed- und Seed-Phase bekannt, nicht minder kritisch: Denn nur wer in der Lage ist, eine innovative Geschäftsidee zu entwickeln, zu validieren und an die passenden Investoren zu bringen, kann sich auf dem Markt platzieren. Obwohl es über 1.000 unterschiedliche Förderprogramme gibt, ist der gezielte Support in den Frühphasen nach wie vor selten. Wichtige Themen wie Ideenfindung, Modellentwicklung oder Marktorientierung werden bei den existierenden Programmen in der Regel vorausgesetzt und infolgedessen nur rudimentär behandelt.

Die School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) hat im Rahmen einer Start-up-Studie untersucht, welche Erfolgskriterien für angehende Gründer essenziell sind, um die schwierigen Aufgaben der Vorgründungsphasen zu meistern. Insgesamt wurden rund 500 Start-up-Experten kontaktiert, wobei eine Teilnehmerquote von etwa 15 % erzielt wurde (N = 70). Den Großteil der Teilnehmenden bildeten mit 59 % Gründer- und Transferzentren sowie Start-up-Mentoren und Coaches. Gründer waren mit 10 % relativ schwach vertreten. Die restlichen 31% setzen sich aus Inkubatoren, Akzeleratoren, Company Builders, Investoren und sonstigen Experten zusammen.

Erste Meilensteine auf dem Gründungsweg

Die Anfänge eines Start-ups sind im Wesentlichen von zwei Vorgründungsphasen geprägt: Die Pre-Seed-Phase, im deutschsprachigen Raum auch als Orientierungsphase bekannt, stellt die allererste Start-up-Phase dar. Auf diese folgt die Seed-Phase (Planungsphase). Im Rahmen der Studie wurden die Start-up-Experten nach den wesentlichen Aufgaben, Schlüsselschritten und Meilensteinen gefragt, welche es in den entsprechenden Phasen zu meistern gilt. In der Orientierungsphase sollte der Fokus laut Umfrage stark auf die Geschäftsidee (92,9 %), die Marktorientierung (85,5 %) und den Netzwerkaufbau (84,3 %) gesetzt werden. Sechs von zehn Befragten sahen zudem die Teambildung und das Innovationskonzept hinter der Idee als sehr relevant an. Dahingegen stehen in der darauffolgenden Planungsphase insbesondere das Business Modell (91,3 %), Marktvalidierung und Proof of Concept (86,9 %) sowie der Finanzierungsplan (81,1 %) im Vordergrund.

Frühzeitiger Support ist von großer Wichtigkeit. Dennoch ist es für junge Gründer zu Beginn nicht immer leicht, die passende Unterstützung zu finden. Aus diesem Grund wurden die Experten nach dem Grad der Relevanz verschiedener Services und Angebote gefragt. Insgesamt wurde der Zugang zur notwendigen Technologie und Infrastruktur, die Verfügbarkeit von Business Coaches und Mentoren sowie die Bereitstellung von (Experten-)Netzwerken für beide Vorgründungsphasen mit jeweils über 75% als sehr relevant angegeben.

 Woran Gründer scheitern – und was sie erfolgreich macht

Weiterhin wurde erforscht, welche Probleme, Hindernisse und Hürden zum frühzeitigen Scheitern führen. Mit über 80 % führt nach den Expertenmeinungen das falsche Team zum Misserfolg. 60 % der Teilnehmenden gaben außerdem fehlende Kompetenzen und Fachwissen, eine fehlende oder unzureichende Finanzierung und eine schlechte Geschäftsidee als häufige Gründe für ein Scheitern an. Seltenere Ursachen, mit weniger als 40 %, sind der Mangel an Erfahrung oder Support, Überlastung und fehlende Netzwerke. Aber was kann angehende Gründer dabei unterstützen, erfolgreich zu sein? Dazu wurden die Start-up-Experten nach Vorschlägen zu nützlichen Tools und Modellen gefragt, um selbstständig Teilziele zu setzen und Meilensteine zu erreichen. Top-Antworten waren das Business Model Canvas für die Entwicklung und Aufstellung des eigenen Geschäftsmodells, Design Thinking für die Ideenfindung, Lean Start-up als Strategie und Mind-Set sowie das Value Proposition Canvas für das Leistungsversprechen.

 Kompetenzen und Netzwerke statt Finanzierung

Die Start-up-Studie über die Frühphasen hatte die Intention, wichtige Ziele, Schlüsselfaktoren, Bedarfe und Supportoptionen in der Pre-Seed- und Seed-Phase zu betrachten. Dank der Vielfalt an Teilnehmern konnte eruiert werden, welche inhaltlichen Aspekte sowohl für angehende Gründer selbst als auch für unterstützende Personen und Organisationen von großer Relevanz sind, um frühzeitige Hürden und Hindernisse zu erkennen und zu überwinden. Es ist festzuhalten, dass über nahezu alle Fragen und Antworten hinweg die Finanzierung hintenangestellt wurde und der Fokus primär auf die Weiterentwicklung der sozialen und personalen Kompetenzen, den Netzwerkauf- und -ausbau sowie die Suche nach den passenden Teammitgliedern, Coaches und Mentoren gesetzt werden sollte.


Die vollständige Studie finden Sie hier.

Kontakt

Dr. rer. nat. Patrick Roth (Autor)
Start-up & Business Development Expert
Steinbeis School of International Business and Entrepreneurship GmbH (Herrenberg)
www.steinbeis-sibe.de

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