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UNTERNEHMENSKOMPETENZEN X.0: DIGITALE TRANSFORMATION ERFOLGREICH MEISTERN

Der Steinbeis Competence Tag 2019 im Rückblick

Schon länger werden organisationale Kompetenzen als Grundlage für nachhaltigen Unternehmenserfolg diskutiert. Dies gilt umso mehr in Zeiten von schnell aufeinanderfolgenden Techniktrends, von Konvergenz, kontinuierlicher Veränderung, zunehmender Vernetzung und durchdringender Digitalisierung. Doch was sind die zentralen Kompetenzen, um diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen? Und kann man Transformation lernen? Mit diesen Fragen setzte sich der Steinbeis Competence Tag am 5. Dezember 2019 in Stuttgart auseinander.

Über welche Kompetenzen müssen Unternehmen und Organisationen verfügen, um die Herausforderungen der digitalen Transformation zu meistern? Wie stellen sie sich erfolgreich auf immer kürzere Technologiezyklen, ineinanderfließende Handlungs- und Funktionsfelder, sich dynamisch verstärkenden Wandel, eine immer mehr an Bedeutung gewinnende Plattformökonomie sowie die Digitalisierung nahezu aller wesentlichen unternehmerischen Handlungsbereiche ein? Im Rahmen des Steinbeis Competence Tages 2019 diskutierten Experten aus Wissenschaft und Praxis das Thema aus Sicht der aktuellen Forschung und anhand praktischer Beispiele.

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AUF DEM WEG ZUR SMARTEN ORGANISATION: WIE DIGITALE TRANSFORMATION GELINGT

Prof. Dr. Claudia Schneider (Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg) zeigte in ihrer Keynote Voraussetzungen und Erfolgskriterien der digitalen Transformation in Organisationen auf. Grundsätzlich werden sich Organisationen dabei im Spannungsfeld zwischen Zuverlässigkeit (vorhersagbare Ergebnisse, Regeln und Vorschriften, Befriedigung von Kundenerwartungen, stabiles Arbeitsumfeld, Ziele und Verantwortlichkeiten etc.) und Anpassungsfähigkeit (Flexibilität, Reagieren auf Umweltveränderungen, Umgang mit Komplexität und Mehrdeutigkeit, Spielraum für Eigenverantwortung und dezentrale Entscheidungen etc.) bewegen. Der mit der digitalen Transformation häufig verbundene radikale Organisationsumbau muss regelmäßig sowohl mit der bestehenden Mannschaft und ausgehend von der vorhandenen Ausstattung als auch im laufenden Betrieb durchgeführt werden. Eine ganzheitliche Organisationsentwicklung ist demnach notwendig, da smarte Geschäftsmodelle smarte Prozesse erfordern, die wiederum smarte Menschen zu deren Gestaltung voraussetzen. Und smarte Menschen benötigen smarte Organisationen, in denen sie wirksam werden können. Mit dem sogenannten digitalen Reifegradmodell lassen sich die entsprechenden Dimensionen dieser Organisationsentwicklung systematisch abbilden. Am Beispiel des Bauhofs in Herrenberg verdeutlichte Claudia Schneider Chancen und Herausforderungen eines solchen Prozesses für den Bereich der öffentlichen Verwaltung.

Ihr Fazit: Die digitale Transformation ist ein fundamentales Veränderungsvorhaben, das nur gelingen kann, wenn verschiedene Voraussetzungen gegeben sind. So sollte zum einen die jeweilige Organisationsspitze überzeugend sein und selbst überzeugt hinter der Transformation stehen sowie einen „langen Atem“ haben. Die Organisationsspitze hat eine Vorbildfunktion, an der sich die Organisation orientieren kann, und muss daher als erstes „digital“ werden. Zum anderen müssen alle Akteure der Organisation Verantwortung tragen, jeder für seinen Bereich. Die digitale Transformation einer Organisation ist nicht an Stabsstellen delegierbar. Darüber hinaus müssen die Menschen innerhalb der Organisation auch befähigt werden mit den neuen Anforderungen zurecht zu kommen – ein Plädoyer für eine gezielte Kompetenzentwicklung. Außerdem müssen die notwendigen Ressourcen bereit gestellt werden, da die digitale Transformation Zeit, Geld und Personal kostet! Im Übergang muss die Organisation beides leisten: die „alte“ Welt aufrechterhalten und die „neue“ Welt aufbauen.

Zudem ist regelmäßig mit Widerständen, Angst und Unsicherheit zu rechnen, wie bei allen Change Prozessen. Es ist daher unerlässlich, die entsprechende „Umwegzeit“ einzuplanen, damit das Gewünschte tatsächlich verstanden wird und sich entwickeln kann. Hierzu sind eine umfassende Transparenz, Beteiligung und Kommunikation notwendig. Schließlich darf es keine „Bypässe“ geben, die ein Arbeiten in alten Strukturen und Prozessen erlauben.

KOMPETENZEN FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT: „LERNEN ZU VERLERNEN“

Sven Göth, Futurist und Gründer des Digital Competence Labs in Hannover, fokussierte in seiner Keynote auf die Herausforderungen und die Treiber der digitalen Transformation. Sehr plastisch verdeutlichte er die markant zunehmende Bedeutung exponentieller Veränderungsprozesse und den abnehmenden Spielraum für inkrementelle Anpassungsprozesse im Zeitalter der Transformation. Dabei macht er vor allem vier wesentliche Treiber dieses Wandels aus: Exponentiell zunehmende Rechenkapazitäten, umfassend entstehende Datenmassen (u.a. über das Internet of Things), das Internet mit Echtzeitübertragungsraten sowie die künstliche Intelligenz. In eindrücklichen Beispielen wog er hierbei Täuschungs- und Manipulationsrisiken sowie Vorteile und Nutzen dieser neuen Entwicklungen ab und griff dabei Robotertechnologien, den Übergang von menschlichen hin zu maschinell angereicherten Entscheidungsprozessen, autonome Mobilität, 3D-Hausdruck, 3D-Organdruck, Tele- und Holomedizin, die Auswirkungen auf die Arbeitswelt, die Auflösung von Raum- und Zeitbezug des Arbeitsumfeldes sowie der Arbeitsleistung und -steuerung auf.

In der Konsequenz erfordern diese Veränderungen als Kernkompetenz ein „lernen zu verlernen“. Es stellt sich auch die Frage, nach welchen Kriterien wir Zukunft messen und bewerten können: nach Normalität, Natürlichkeit und Menschlichkeit oder aber zum Beispiel nach Nutzen, Schaden und Nebenwirkungen. Die Bewertung von Zukunft und damit auch der digitalen Transformation wird damit auch zu einer Frage der eigenen Perspektive.

Aus dieser Erkenntnis heraus identifiziert Sven Göth folgende elementaren Kompetenzen für den Wandel vom Bekannten zum Unbekannten: Innovationsfähigkeit, Teamfähigkeit (hier vor allem die Veränderung von festangestellten hin zu Projektmitarbeitern), Veränderungsfähigkeit (die Bereitschaft, mit denen zu starten, die wollen und können), Digitalisierungsfähigkeit (die sich verändernde Welt verstehen) und schließlich Verantwortungsfähigkeit (die Bereitschaft, auch einmal Entscheidungen zu treffen, die nicht alle mitnehmen). Er schloss mit einem Appell an die Teilnehmer, unsere gemeinsame Zukunft mitzugestalten.

STEINBEIS UKC X.0: TRANSFORMATIONSKOMPETENZ IST GEFRAGT

In der dritten Keynote des Tages stellte Dr. Michael Ortiz, Projektleiter Unternehmensentwicklung in der Steinbeis-Zentrale und Leiter des Forschungsbereichs Innovations- und Transfermanagement am Ferdinand-Steinbeis-Institut in Stuttgart, mit dem Steinbeis Unternehmens-Kompetenzcheck X.0 (UKC X.0) [1] ein neues Instrument zur softwaregestützten Analyse dieser organisationalen Kompetenzen im Kontext der digitalen Transformation vor. Ausgehend vom klassischen UKC [2] als bereits etabliertem Instrument der qualitativen Unternehmens-Kompetenzanalyse hob er hervor, dass die digitale Transformation und die zunehmende Konvergenz von Strukturen, Systemen und Technologien einen tiefgreifenden Wandel antreiben, der nicht nur Unternehmen und andere wirtschaftliche Akteure sondern auch Politik und Gesellschaft vor zahlreiche neue Herausforderungen stellt. So seien daten- und informationsgetriebene Geschäftsmodelle längst nicht mehr nur im digitalen Raum zu finden. Auch etablierte Unternehmen mit klassischen Geschäftsmodellen setzen auf datengestützte Optimierungen oder gänzlich neue, informationsgetriebene Wertschöpfungsszenarien. Diese Neuausrichtung der Geschäftsaktivitäten bedingen jedoch ein hohes Maß an Flexibilität und Veränderungsbereitschaft – gefragt ist eine Transformationskompetenz von Organisationen.

Der neu entwickelte UKC X.0 ermöglicht die fundierte qualitative Analyse dieser Transformationskompetenz von Unternehmen und Organisationen und betrachtet dabei sowohl die Kompetenzen im Umgang mit den Treibern der Transformation als auch mit dem durch sie induzierten Wandel. Hierzu wurde der bisherige UKC um eine fünfte Kompetenzebene „Transformieren“ ergänzt. Bei den Treibern fokussiert der UKC X.0 zum einen auf die digitale Datenkompetenz von Unternehmen, zum anderen aber auch auf die Kompetenzen sich auf Basis dieser verschiedenen Datenarten nach intern und nach extern zu vernetzen. Auch nach der Ökosystem-Kompetenz wird in diesem Zusammenhang gefragt. Unter der Dimension des durch diese Treiber induzierten Wandels werden hingegen die digitale Unternehmenskultur, die Wertschöpfungskompetenz sowie der Digitalisierungsgrad des Geschäftsmodells in die Analyse einbezogen. Anwender des UKC X.0 können entscheiden, ob sie sich in der Stand-alone-Variante ausschließlich auf die Untersuchung der Kompetenzebene „Transformieren“ konzentrieren oder ob sie unter Einbezug der weiteren Kompetenzebenen des klassischen UKC ein umfassendes Bild der Transformationskompetenz des Unternehmens analysieren möchten.

Im Anschluss konnten die Teilnehmer das Tool im Rahmen seiner Premiere erstmalig direkt ausprobieren und so einen Eindruck gewinnen. Erfahrene Steinbeis-Experten gaben Einblick in die Möglichkeiten, die das neue Instrument Unternehmen, aber auch Beratern bietet, um den Weg in die Zukunft erfolgreich zu beschreiten. Auch über die praktischen Erfahrungen beim Einsatz softwaregestützter Instrumente in der Unternehmensanalyse wurde intensiv diskutiert.


Die Mitschnitte des Steinbeis Competence Tages finden Sie in der Steinbeis-Mediathek (www.steinbeis.de/mediathek [3]) und auf unserer Website www.steinbeis-competence-tag.de [4]. Hier gibt es außerdem weitere Infos zum Steinbeis Unternehmens-Kompetenzcheck: https://steinbeis-ukc.de [2].