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„Im Medienbereich jagt eine technische Revolution die andere“

Im Gespräch mit Professor Dr. Michael Bauer, Leiter des Steinbeis-Transferzentrums Technische Kommunikation – Paracam

 

Seit 2012 können Orthopäden und Unfall-Chirurgen Keramik-Implantate virtuell in Bewegung auf mobilen Endgeräten sehen – dafür haben das Steinbeis-Transferzentrum Technische Kommunikation – Paracam und die CeramTec GmbH mit ihrer BIOLOX-App gesorgt. Was das Besondere an dieser Entwicklung war und mit welchen Projekten das Steinbeis-Unternehmen sich aktuell beschäftigt, darüber hat sich die TRANSFER mit Prof. Dr. Michael Bauer unterhalten.

Herr Professor Bauer, im Jahr 2012 wurde Ihr Steinbeis-Transferzentrum gemeinsam mit der CeramTec GmbH in Plochingen, Weltmarktführer für keramische Hüftgelenke, mit dem Transferpreis der Steinbeis-Stiftung – Löhn-Preis ausgezeichnet. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Mit der Firma CeramTec arbeiten wir schon seit 2004 zusammen, also lange bevor wir gemeinsam den Löhn-Preis erhalten haben. CeramTec hatte früh die didaktischen Vorteile der damals noch sogenannten Neuen Medien erkannt und genutzt. Auf diese Weise entstanden zahlreiche 3D-Animationen, Videos und interaktive Anwendungen, mit deren Hilfe sich Orthopäden und Unfall-Chirurgen über die Keramik-Implantate des Unternehmens und deren klinische Anwendung informieren können.

Zusammen mit Ihrem Projektpartner haben Sie die BIOLOX-App entwickelt, was war das Besondere an der App und die größte Herausforderung bei deren Umsetzung?

Das Besondere war, dass Keramik-Implantate, zum Beispiel in künstlichen Hüftgelenken, in Bewegung zu sehen sind und zwar in Form von virtueller Realität als interaktive 3D-Anwendung auf mobilen Endgeräten. Dazu haben wir die Implantate in das Modell eines quasi gläsernen menschlichen Körpers eingebaut. „CeraMan“ haben wir intern diese Figur genannt. So bieten sich den Medizinern neue Sichtweisen, weil sie solche Gelenke in der Regel nur im „Ruhezustand“, also auf dem OP-Tisch oder am Röntgenschirm, sehen. Die Herausforderung war, den CeraMan möglichst nah an der medizinischen Realität und in Echtzeit zum Beispiel auf einem Handy oder Tablet darzustellen und zudem mit den bereits bestehenden Medien – mit OP-Filmen, Animationen und Broschüren – zu kombinieren. Insgesamt also ein ziemlich komplexes Gebilde.

2012 mit dem Löhn-Preis ausgezeichnet: die BIOLOX-App

Noch ein Prototyp: „CeraMan“ als Augmented Reality

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inzwischen sind sechs Jahre vergangen: Welche anderen spannenden Projekte hat Ihr Steinbeis-Unternehmen in dieser Zeit realisiert? Welche stehen in der Zukunft an?

Paracam arbeitet hauptsächlich in zwei Bereichen: einerseits auf dem Gebiet der Medizintechnik und andererseits auf dem Gebiet der Geologie beziehungsweise Paläontologie. Ein spezielles Projekt hat uns in den vergangenen drei Jahren besonders beschäftigt: Das Geo-Relief für das neu eröffnete explorhino Science Center in Aalen. Wir haben ein zwei auf vier Meter großes Geländerelief geschaffen, das das gesamte Gebiet der Schwäbischen Alb abdeckt. Ein hochauflösender Beamer wirft aus neun Meter Entfernung passgenau Karten und Animationen auf dieses Relief. Besucher können an einem Touchscreen zwischen 60 Karten und 20 Animationen auswählen. So ist ein kompletter 3D-Atlas zur Schwäbischen Alb entstanden. Nun wollen weitere Ausstellungen und Museen ähnliche Lösungen.

Der allgegenwärtige Digitalisierungstrend zeichnet sich auch bei Lehr- und Lernmedien ab, welche Chancen, aber auch Herausforderungen bringt er für die Arbeit Ihres Steinbeis-Unternehmens mit?

Im Medienbereich jagt eine technische Revolution die andere. Das ist der besondere Reiz dieses Metiers. Paracam versucht immer dabei zu sein, wenn sich aus solchen Neuerungen ernsthafte, sprich didaktisch sinnvolle Anwendungen entwickeln lassen. Augmented Reality ist im Augenblick so ein Thema. Dadurch wird es möglich, reale Kamera-Ansichten der Umwelt mit virtueller Realität zu mischen. Derzeit arbeiten wir an einer entsprechenden Weiterentwicklung der BIOLOX-App. Ein Prototyp ist bereits fertig. Nun läuft der CeraMan nicht mehr nur in einer künstlichen Welt, sondern scheinbar durchs eigene Büro.

Kontakt

Professor Dr. Michael Bauer

Professor Dr. Michael Bauer leitet das Steinbeis-Transferzentrum Technische Kommunikation – Paracam an der Hochschule Aalen. Das Steinbeis-Unternehmen bietet seinen Kunden die Erstellung von Videoproduktionen, 3D-Animationen und interaktiven Anwendungen im technisch- wissenschaftlichen Bereich.

Professor Dr. Michael Bauer
Steinbeis-Transferzentrum Technische Kommunikation – Paracam (Salach)