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Musik im Blut und in der App

Steinbeis-Coach unterstützt Start-up in der Werbemusikwelt

 

Es war im Masterstudium an der Popakademie Baden-Württemberg, als sich Markus Schwarzer, Jakob Höflich und Joshua Weikert kennenlernten. Schnell realisierten die drei, wie sich bei ihnen nicht nur ein Sinn für Entrepreneurship mit einem großen Interesse für die Musikwelt von Morgen vereint, sondern auch wie sich ihre Kompetenzbereiche aus Business, Kommunikation und IT ergänzen und für eine Zusammenarbeit an der Schnittstelle aus Musik und Technologie prädestinieren. Und so starteten sie schon während des Studiums ein Projekt mit der Idee, Menschen über Musik zusammenzubringen. Gut drei Jahre später haben sie kürzlich ihre erste eigene App für Musikmomente, Groovecat, erfolgreich in die App Stores gebracht, konnten sechsstellige Investments einsammeln und dürfen sich zu den Alumni des weltweit einzigartigen Musik-Accelerators Music WorX aus Hamburg zählen. Auf dem Weg von einem träumerischen Studentenprojekt zu einem handfesten neuen Player im Bereich Music-Tech haben die Stadt Mannheim und das Land Baden-Württemberg eine ganz zentrale Rolle eingenommen, insbesondere auch eine durch das ESF-Förderprogramm geförderte Intensivberatung des Steinbeis-Beratungszentrums Existenzgründung.

Erinnert sich Jakob Höflich, CCO von Groovecat, an die Zeit vor dem Coaching, fällt ihm auf: „Es war schon eine besondere Zeit, wir sprudelten nur so vor Tatendrang und Ideen, aber was uns fehlte, waren Struktur, Weitsicht und die holistische Sichtweise auf ein ganzheitliches Geschäftsmodell. Nebenbei mussten wir ja auch noch unsere Masterarbeiten schreiben“. Über die Wirtschaftsförderung Mannheim wurden sie in Person von Sonja Wilkens auf das ESF-Förderprogramm aufmerksam und mit Steinbeis-Coach Eligiusz Skwara in Verbindung gebracht. Ein paar Telefonate später war der erste Termin ausgemacht, ab dann traf sich das Groovecat-Team regelmäßig zu Workshops mit Eligiusz Skwara.

Ziel des Coachings war es primär, Groovecat „Investor ready“ zu machen und ein visionäres, aber auch nachhaltiges Geschäftsmodell zu erschaffen. Im Laufe der ersten Coachings stand vor allem das zentrale Problem im Fokus: Wie erschaffe ich ein kostenloses Social Media Tool für Musik auf der einen und mache es attraktiv für Investoren auf der anderen Seite? Der erste große Meilenstein der Coachings war dann der radikale strategische Wechsel von Groovecat von einer „Social Music App“ zu einer Werbemusiksuchmaschine, die auf Grundlage eines revolutionären Datensets die Auswahl von Musik für jegliche audiovisuelle Inhalte automatisieren kann. Damit wurde das Geschäftsmodell nicht nur um eine B2B-Seite ergänzt, sondern auch ein ganz zentrales Problem in der heutigen Auswahl von Werbemusik identifiziert: Sie ist teuer, dauert lange, ist subjektiv und findet ohne das Heranziehen von Daten statt, weil alle bisherigen dafür zu kurz gegriffen sind.

Markus Schwarzer, CEO von Groovecat, betrachtet die Coachings rückblickend als Ausgangspunkt zum Pivot und zu den bisherigen Erfolgen: „Anfangs haben wir nur einen Nutzen für Musikliebhaber erzeugt, aber kein konkretes Problem gelöst. Dadurch, dass uns Eligiusz während der Coachings ständig den Finger in die Wunde gelegt hat, konnten wir unseren Schwachstellen in die Augen blicken, unser Geschäftsmodell anpassen und unsere Anfangsidee verwerfen. Wer schon mal eine Idee, für die er mit Herzblut gebrannt hat, verworfen hat, weiß sicherlich, wie schwer dieser Schritt ist“. Im Nachhinein hat sich dieser Schritt aber ausgezahlt, denn nach dem Pivot ist Groovecat in den Music WorX Accelerator gezogen, konnte verschiedene Preise wie den Sonderpreis des CyberOne Award von bigFM gewinnen und sich durch die Finalrunde des Mannheimer Existenzgründerpreises Ende 2017 für den Beteiligungsfonds Wirtschaftsförderung Mannheim qualifizieren.

Nach einigen Pitches und Verhandlungen ist die Beteiligungsfonds Wirtschaftsförderung Mannheim GmbH schließlich im April 2018 mit einem sechsstelligen Betrag bei Groovecat eingestiegen. Und obwohl die Coaching- Zeit lange vorüber ist, unterstützt Eligiusz Skwara das Team weiterhin als enger Berater und ist eine konstante Begleitung bei der Investorensuche geworden. Aus einem festgesteckten Coaching hat sich also eine nachhaltige Zusammenarbeit ergeben, genau in dem Feld, in dem junge Existenzgründer meist noch wenig bis keine Erfahrungen haben: der Kapitalakquise. Eligiusz Skwara dazu: „Investor Readiness bedeutet nach meinem Verständnis zweierlei: Start-ups in die Lage zu versetzen, sowohl das Herz eines Investors zu gewinnen, als auch seinen Kopf. Bei Groovecat haben wir beides geschafft. Das Team hat das Potenzial mit dem Vorhaben einen Milliardenmarkt zu verändern – viel wichtiger ist aber, dass es die Fähigkeit besitzt, Strategien in Handlungen herunter zu brechen und umzusetzen. Die aktuelle Entwicklung der Nutzerzahlen sowie das Interesse an Pilotprojekten von Größen wie Sony Music zeigen, wie gut wir gearbeitet haben. Der Aufnahme weiterer Investoren steht also nichts im Wege“.

Nach erfolgreichem App-Launch geht es für Groovecat nun darum, auf der einen Seite die stabile und organisch wachsende Nutzerbasis weiter aufzubauen und auf der anderen Seite das wertvolle Datenset möglichst effizient und qualitativ hochwertig zu verarbeiten, dabei stets in der Unternehmenskultur verankert, keine persönlichen Nutzerdaten preiszugeben. Hierfür steht bereits eine Kooperation mit dem Fachbereich Audiokommunikation der TU Berlin an, die Groovecat bei der Datenanalyse unterstützen wird. Im Dezember ging es für das Team außerdem nach New York, wo sie über den kürzlich gewonnenen STEP USA Pitch der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern an einem 5-tägigen Start-up- und Entrepreneur-Programm teilgenommen haben. Denn die USA sind nicht nur das Mutterland der Social Media, sondern auch der größte Werbemusikmarkt weltweit und damit ein Leuchtturm auf der wohl noch langen Roadmap von Groovecat.

Kontakt

Eligiusz Skwara
Steinbeis-Beratungszentrum Existenzgründung (Stuttgart)
www.steinbeis-exi.de