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Aus dem Studium direkt in die Geschäftsführung

Im Gespräch mit Nicoline Janssen, Alumna der Steinbeis-Hochschule Berlin

Nicoline Janssen ist eine echte Powerfrau: Hauptberuflich als Arbeitsrechtlerin am Max-Planck-Institut in Stuttgart tätig, ist sie daneben Mutter, ehrenamtlich bei der DLRG aktiv und in Teilzeit selbstständig. Und letzteres schon seit über zehn Jahren. Den Anstoß gab ihr MBA-Studium an der School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) der Steinbeis-Hochschule Berlin. Während ihres Studiums setzte sie die Theorie tatkräftig in die Praxis um und gründete mit einer Kollegin die heutige Menudos Kinderbetreuung gGmbH. Welche Herausforderung die Selbstständigkeit mit sich bringt, erzählt Nicoline Janssen im Gespräch mit der TRANSFER.

Frau Janssen, was war für Sie der Anstoß, sich während Ihres Studiums selbstständig zu machen?

Die Gründung eines eigenen Betriebs war für mich weniger eine bewusste Entscheidung, als eine Herausforderung, die sich direkt vor meinen Augen ergab. Im Rahmen meines MBA-Studiums war ich als Assistentin für die Werkleitung bei der Robert Bosch GmbH tätig. Währenddessen lag die Bearbeitung einer Elterninitiative innerhalb meiner Zuständigkeit. Die Initiative sollte das Problem der wenigen KiTa- Plätze für die Kinder der Mitarbeiter lösen. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen bin ich so auf das Thema Kinderbetreuung gestoßen. In Eigenregie mieteten wir ein Haus in Reutlingen an. In Kooperation mit Bosch und unzähligen ehrenamtlichen Helfern renovierten wir das Gebäude samt Grundstück. Der Garten wurde gemeinsam mit einem Auszubildendenprojekt von Bosch umgestaltet. 2008 nahm das damalige „Spatzennest“ schließlich den Betrieb auf.

Was war Ihre Motivation dafür, eine solche Rolle im Rahmen dieser Initiative einzunehmen?

Unsere Motivation lag vor allem darin, ein richtig tolles Projekt in Eigenverantwortung zu übernehmen. Im Rahmen der Arbeit in einem Großunternehmen kann man sonst nur kleine Teile von Projekten bearbeiten. Diese Chance mussten wir nutzen. Und für mich war es nie eine Option aufzuhören. Wenn man alles von Beginn an geplant hat, möchte man auch weiter dran bleiben. So sieht das auch meine Weggefährtin Victoria Pérez-Solórzano, mit der ich das Projekt gemeinsam bestreite.

Worin lagen und liegen die größten Herausforderungen Ihrer unternehmerischen Tätigkeit?

Zu Beginn lagen die größten Herausforderungen in den rechtlichen Anforderungen der Kinderbetreuung. Geldprobleme waren überraschenderweise nie das Schlimmste, mit dem wir zu kämpfen hatten. In einem Jahr ist uns durch verschiedene Gründe von heut auf morgen Personal verloren gegangen, in einem anderen Jahr hatten wir die optimale Anzahl an Erzieherinnen, durch den enormen Platzaufbau der Stadt im Rahmen der gesetzlichen Anforderungen fehlten uns aber zu betreuende Kinder. Gegenwärtig läuft alles gut, aber die Situation auf dem Bewerbermarkt und die zunehmenden Schwierigkeiten in den Familien stellen uns bereits vor neue Herausforderungen. Aber in den Momenten, in denen man ein Problem löst, merkt man häufig erst, was man wirklich kann – das motiviert tagtäglich!

Wie hat sich Ihr Unternehmen bis heute entwickelt?

Zwei Jahre nach der Eröffnung funktionierten wir unseren Verein in die gemeinnützige Menudos Kinderbetreuung gGmbH um. So konnten wir unser Projekt wie ein Unternehmen führen und nicht wie bis dahin als Initiative. Als Träger der freien Jugendhilfe sind wir gleichgestellt mit städtischen Betreuungseinrichtungen. Die enge Zusammenarbeit mit der Stadt ist für unser Konzept essenziell. Seit 2014 sind wir Träger einer zweiten Einrichtung im Reutlinger Stadtteil Betzingen. Heute bieten wir Kindern im Alter unter drei Jahren mit über zehn Mitarbeitern in zwei Einrichtungen eine Ganztagsbetreuung. Unser Ziel ist es, für die Kinder ein zweites Zuhause zu bieten, um den Eltern eine optimale Vereinbarung von Beruf und Familie zu ermöglichen. Inzwischen konnten meine Kollegin und ich eine Leitungskraft einstellen, um uns aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Jetzt arbeiten wir nur noch im Hintergrund, kümmern uns um die Personal- und Finanzplanung, um Schulungen und rechtliche Änderungen. Das kommt uns sehr zu Gute, da wir das unternehmerische Arbeiten immer im Fokus hatten und hauptberuflich anderweitig gebunden sind.

Inwiefern hat Ihnen das Studium an der SIBE im Rahmen Ihrer Gründung weitergeholfen?

Mein MBA-Studium an der SIBE hat stark zu unserem jetzigen Erfolg beigetragen. Für mich als Juristin und meine Geschäftspartnerin als Physikerin bot gerade zu Beginn unseres Vorhabens die wirtschaftliche Theorie des Studiums ein solides Fundament. Mein Finanzplan und die Planbilanzen für die ersten 36 Monate habe ich im Rahmen des Studiums erstellt. Gerade in der Anfangszeit habe ich mich an dem Aufbau der Lehrbücher orientieren können.