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„Nur wer den Wandel verschläft, hat damit ein Problem“

Im Gespräch mit Horst Maywald, jahrzehntelanger Elabo-Experte und Steinbeis-Partner

Wie die Digitalisierung in der Unternehmenspraxis erfolgreich umgesetzt werden kann, erzählt der TRANSFER Horst Maywald. Er hat diese Entwicklung hautnah bei der Elabo GmbH miterlebt und bis zu seiner Pensionierung in diesem Jahr mitgestaltet.

Herr Maywald, wie die Digitalisierung die Abläufe in einem Unternehmen verändern kann, wissen Sie aus erster Hand. Welche Veränderungen in Folge des digitalen Wandels würden Sie als Meilensteine in der Unternehmensentwicklung von Elabo bezeichnen?

Die wichtigste Erkenntnis bei Elabo war, dass wir uns alle zuerst einmal mit den Prozessen und den Strukturen beschäftigen mussten. Das fing bei den Führungskräften an und ging dann durch alle Ebenen nach unten. Erst als die Bereichsleiter diese Tatsache und auch die Prozesse aller betroffenen Bereiche verstanden hatten, die Verschwendung erkannt und die Mitarbeiter einbezogen wurden, setzten die ersten Erfolge ein. Digitalisierung ohne Verständnis der Digitalisierung ist nutzlos und sogar schädlich.

Wenn man von der Industrie 4.0 spricht, denkt man in erster Linie an Großkonzerne. Was können kleine und mittlere Unternehmen tun, damit sie nicht auf der Strecke bleiben?

Wie schon vorher erwähnt, sollen die kleinen und mittleren Unternehmen überhaupt mit dem „Digitalisieren“ beginnen: Am Anfang sollten sie die Sachen, die neben dem Tagesgeschäft zu schaffen sind, in kleinen Schritten umsetzen und die Mitarbeiter sofort miteinbeziehen, auch den kleinen Erfolg feiern. Jeder, gerade die kleinen und mittleren Unternehmen, muss heute davon ausgehen, dass morgen neue Techniken erfunden werden, die das alte Geschäft beziehungsweise Geschäftsmodell ersetzen können. Auch wenn im Moment die Geschäfte super laufen, müssen die KMU mehr mit Forschungseinrichtungen und Beratern kooperieren, um über den Tellerrand schauen zu können. Wir bei Elabo praktizieren das seit zwei Jahren und ich bin davon überzeugt, dass wir ohne diese Zusammenarbeit nicht die Erfolge hätten, die wir jetzt haben. Es bedeutet aber sehr viel Arbeit neben dem Tagesgeschäft.

Digitalisierung bringt viele Herausforderungen für den Mittelstand: steigende Individualisierung der Produkte, zunehmende Vernetzung, immer kürzer werdende Produktlebenszyklen, fehlende Fachkräfte und einen hohen Kostendruck. Was sollen KMU unternehmen, um diese Komplexität beherrschen zu können?

Nicht die Digitalisierung ist die Herausforderung, es sind die Bedürfnisse des Marktes, also der Gesellschaft. Wie beherrsche ich das? Indem ich digitalisiere. Was es dabei zu beachten gilt, habe ich vorher schon erwähnt. Die Dynamik und die Variabilität der Veränderungen trifft in besonderem Ausmaß deren „Keimzelle“ – die Arbeitsgestaltung auf dem Shopfloor. Unter dem Begriff „Shopfloor Execution System“ haben wir bei Elabo ein modernes Instrumentarium zum Führen am Ort der digitalen Wertschöpfung entwickelt. Vor dem Hintergrund, dass hoch effiziente Prozesse auf dem Shopfloor und der daraus resultierende Nutzen den entscheidenden Faktor bei der Umsetzung der Industrie 4.0-Initiative darstellen, ist es essenziell, den Nutzen durch einen „Gesamtshopfloor- Key Performance Indicator“ messbar und damit steuerbar zu machen.

Digitaler Wandel und Arbeitsplätze – das ist ein Thema, das viele Ängste hervorruft. Wie sehen Sie das?

Nur wer den Wandel verschläft, hat damit ein Problem. Sicher ist, die Welt der Arbeit wird sich verändern. Wir alle müssen uns anpassen. Die Firmen, die Menschen, also die Gesellschaft. Viele Arbeiten wird es in Zukunft nicht mehr geben, das machen dann Maschinen. Aber dafür werden andere geschaffen, auch für weniger gut ausgebildete Menschen. Wir bei Elabo haben in 2017 die Belegschaft um 20% ausgebaut und dabei sehr viel in die Ausstattung, aber auch Ausbildung/Qualifizierung investiert. Bei 3% Arbeitslosenquote in unserer Region müssen wir das aber auch. FOKUS DIGITALISIERUNG & ARBEITSWELTEN 4.0