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Wie der Vater, so der Sohn?

Steinbeis-Team untersucht die Rolle transgenerationaler Übertragungen in Beziehungsmustern

Psychologie, Wirtschaftswissenschaft und Technologie hängen eng miteinander zusammen, dessen sind sich die Experten am Steinbeis-Beratungszentrum Transgenerationale Übertragungen in Hamburg sicher. Und nur eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht Lösungsansätze für die aktuellen geopolitisch-wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und psychosozialen Herausforderungen. Transgenerationale Übertragungen und deren Bedeutung stellen zwar kein neuzeitliches Phänomen dar, rücken jedoch durch die Forschung an Folgegenerationen von vor allem traumatisierten Menschen in den Fokus der Sozialwissenschaften. Die Hamburger Steinbeis-Forscher arbeiten dazu an einem aktuellen Projekt mit Studierenden der Medical University Hamburg zusammen.

„Wir vermuten, dass transgenerationale Übertragungen auch in vielen anderen Lebensbereichen und abseits der Traumathematik eine große Rolle spielen“, erläutert Dr. David Dickinson, Leiter des Steinbeis-Beratungszentrums. Daher forscht er mit seinen Mitarbeitern in der Breite und konzentriert sich neben den transgenerativen Ursachen von vor allem psychischen Krankheiten auf zwei weitere Schwerpunkte: Dies ist zum einen die Erforschung des transgenerativen Hintergrunds der aktuellen Flüchtlingskrise und des Prozesses der Integration der Flüchtlinge als auch der Radikalisierung von Islamismus-geprägten Terrorgruppen. Zum anderen wollen David Dickinson und sein Team einen Überblick über die transgenerativen Faktoren in den gesellschaftspolitischen Strömungen seit dem Zweiten Weltkrieg schaffen und deren zukünftige Entwicklung betrachten. Projektleiter Marcus Ruhnau macht die Bedeutung dieser Faktoren deutlich: „Transgenerationale Übertragungen basieren auf familiären und kulturellen Vermächtnissen, die explizit oder implizit an die Folgegenerationen übermittelt werden und somit das Fundament der Identität des Empfängers bilden.“ Diese Vermächtnisse entstehen aus einem Zusammenspiel aus den kulturellen Lebens- und Wertevorstellungen der jeweiligen Familie und deren Kultur, Verhaltensweisen sowie Glaubenssätzen auf der einen und der eigenen Erfahrung in der Gesellschaft auf der anderen Seite.

Um die Wirkung transgenerationaler Übertragungen zu messen, arbeiten David Dickinson und Marcus Ruhnau mit Lauren Skaliks, Antje Hinrichs und Johannes Pennekamp, allesamt Studierende der Medical University Hamburg, zusammen. Sie erheben im Rahmen ihrer Masterarbeiten Daten, um transgenerational übertragene Faktoren wie Lebensstil, Lebenseinstellungen und Glaubenssätze zu eruieren, die sich durch ihren Transfer noch in der gegenwärtigen Folgegeneration auf die Beziehungsmuster und die Partnerwahl auswirken. Die erhobenen Daten betrachten die Erfahrungen, die die Probanden mit ihren Eltern gesammelt haben sowie die psychosoziale Geschichte der jeweiligen Familie.

Diese Daten und die darin erkennbaren Erfahrungen gilt es dann mit den Beziehungsmustern, die sich im Kontakt der Befragten mit ihren Partnern zeigen, zu vergleichen. Daneben betrachtet das Steinbeis-Team die Stabilität der aktuellen und vergangenen Beziehungen sowie den kulturellen Hintergrund der Probanden. Ziel des Projektes ist es schließlich herauszufinden, inwieweit das Verhalten in Beziehungen und die Wahl des Partners durch transgenerationale Übertragungen beeinflusst werden und somit maßgeblich von den kulturellen und familiären Hintergründen abhängig sind. Die Forscher streben darauf aufbauend die Ermittlung von Faktorenkombinationen an, die für einen stabilen Beziehungsverlauf förderlich sind. Damit könnte auch ermittelt werden, aus welchen im Rahmen der Forschung festgestellten Faktoren Konfliktpotenzial zwischen dem Probanden und dem jeweiligen Partner resultieren kann. Mit den Ergebnissen der transgenerativen Einflussfaktoren auf Beziehungsmuster hofft das Steinbeis-Team einen neuen Weg für Partnerberatung, Partner-Matching und systemische Psychotherapie ebnen zu können.